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Genial oder genial daneben?
Wahnsinns Genie oder wahnsinniges Genie?
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 | Portait: Shagya-Araber-Stute Eich-Faya (Tibor x Eich-Farahmeh) *1992 im Frühjahr 2007. Etwas verträumt ist ihr der "feurige Araber" nicht auf Anhieb anzumerken...
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Für viele ist es ein Traum, ein Pferd geschenkt zu bekommen. Doch Anja Ernst zögert zunächst, als ihr die Shagya-Araber-Stute Eich-Faya als Geschenk angeboten wird. Nicht zu unrecht, denn Faya ist kein einfaches Pferd. Andererseits – auf ihre ganz eigene Art und Weise schon wieder genial. Lesen Sie Anja Ernst „Dankeschön“ an ihr Westernpferd. Ich bekam sie zu Ostern 2005 geschenkt. Zu dem Zeitpunkt ritt ich sie schon fast fünf Jahre als Reitbeteiligung und der Vorbesitzer musste den Bestand verkleinern. Ich habe lange überlegt, ob ich sie nehmen sollte, fast ein Jahr lang. Insgeheim hoffte ich, dass sich die Lage bei dem Vorbesitzer wieder entspannen würde und sie dort bleiben könnte. Schließlich willigte ich doch ein, Faya zu übernehmen. Es war eine reine Bauchentscheidung, weil ich sie sehr mag, mit „Verstand“ hatte das wenig zu tun. Jedem hätte ich von diesem Schritt abgeraten. Obwohl ich dieses Pferd liebe. Warum ich jedem von diesem Pferd abgeraten hätte? Faya hat Sommerekzem, wer schafft sich schon freiwillig einen Ekzemer an? Außerdem ist Faya ein Mädchen, wie es im Buche steht. Sie macht all das, was man Stuten im Allgemeinen so nachsagt, ist zickig, launisch, und eigentlich nicht zum Reiten, sondern nur zum Fohlen gebären auf der Welt.
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 | Auf der Weide: ... für die Fotos ohne Ekzemerdecke und hier zeigt Faya dann doch mal, dass sie ein Araber ist. |
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Faya ist Reining ausgebildet und hat als Jungpferd bei der EWU einige Siege und Platzierungen erreicht. Irgendwann hatte sie offenbar keine Lust mehr. Sie buckelt, reitet man im Galopp über X (also da wo der fliegende Wechsel kommt), rennt scheinbar kopflos im Galopp los, reitet man auf dem zweiten Hufschlag. Bevor ich anfing sie zu reiten, hatte sie mit acht Jahren bereits etliche Reiter beziehungsweise Reitbeteiligungen „verschließen“. Vielleicht sollte ich sagen „durchgemacht“? Die Liste ihrer Eigenarten ließe sich fortsetzen und bestimmt fragen Sie sich bereits, was mich an diesem Pferd so fasziniert. Es ist ganz einfach: Faya ist genial, stellt man sich auf sie und ihr „Mädchen sein“ ein. Sie hat einen eigenen Charakter und bringt nur dann Leistung, wenn auch der Reiter von sich alles abverlangt. Wehe, als Fayas Reiter ist man unkonzentriert, macht nicht konsequent alles bestmöglich oder meint, das Pferd muss machen was der Reiter sagt, endet die Stunde in einem Desaster. All das macht Faya zu einer reiterlichen Herausforderung. Trotzdem – sie hat mir gezeigt, dass zum Reiten immer zwei gehören. Ein Reiter ohne Pferd ist eben kein Reiter. |
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 | Arabertrophy 06 Salzkotten: Turnierstress: Die Ritte der anderen fest im Blick, warten wir auf die nächste Prüfung. |
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Ich habe auf Faya mit dem Westernreiten angefangen, nachdem ich elf Jahre Dressur, Springen und Vielseitigkeit geritten bin. Mit Faya erreichte ich auf Westernturnieren die ersten Siege und Platzierungen. So belegten wir den zweiten Platz in der Stutenleistungsprüfung für Araber in Leverkusen, gewannen 2005 die Arabertrophy in der Horsemanship in Salzkotten und wurden in der Pleasure und in der Reining zweite. Und das, obwohl ich die Reining „auf Nummer Sicher“ geritten bin, denn ich wollte eins erreichen: Einmal mit Faya durch eine Reining kommen, ohne dass sie kickt und ohne, dass sie von selbst einen Rundown macht. Es ist uns gelungen; danach bin ich keine Reining mehr geritten. Faya hat mir aber auch gezeigt, wie peinlich es ist, wenn man von dem Pferd aus der Prüfung getragen wird, ohne, dass diese schon vorbei ist. In einer Horsemanship sollten wir bei X aus dem Galopp halten. Faya war anderer Meinung und rannte mit mir aus dem Viereck. Damals hatte ich noch nicht verstanden, dass Faya unter einem Reiter nicht äpfelt, was nach dem Abreiten dringend notwendig war. Inzwischen bin ich schlauer und lasse sie kurz vor der Prüfung noch einmal „aufs Klo“ gehen. Seitdem laufen die Prüfungen deutlich besser, entspannter und konstanter. Oftmals gibt sie mir sogar ein „Signal“: Mädel, ich weiß was zu tun ist, lass mich mal machen! scheint meine Faya zu sagen. Das finde ich genial.
Faya - ein geniales Lehrpferd Erstaunlicherweise ist Faya unendlich geduldig mit Anfängern. Im Gegensatz dazu ist sie bei erfahrenen Reitern schnell zornig, wenn diese meinen zu wissen wie Reiten funktioniert. Jeden Trainer lasse ich zuerst auf Faya steigen, bevor ich mir seine Lösungsvorschläge anhöre. Manches Mal habe ich nun schon gehört: „OK, bei anderen Pferden würde ich es so und so machen, aber bei dieser Stute sollten wir einen anderen Weg gehen!“ Meine Reitbeteiligungen bilde ich gern selber aus. Deshalb hatte ich auf der Suche nach einer Beteiligung für Faya inseriert, dass auch Anfänger willkommen sind. Eine der ersten Anruferinnen fragte, ob ich sicher wäre, dass Faya anfängertauglich ist. „Ja bin ich, sonst hätte ich nicht so inseriert!“ - „Ja, aber sie ist doch ein Araber und denen sagt man doch nach, ein bisschen verrückt zu sein.“ Die Anruferin überzeugte sich selbst, ließ sich offenbar durch Faya mit „Arabitis“ infizieren und lernt nun seit zwei Jahren auf ihr reiten. |
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 | Freizeitreitertreffen in Altlünen 07 Trail an der Hand: Beim Freizeitreitertreffen in Altl+nen 2007 war unsere Devise: „Angekommen ist gewonnen“. Faya traute sich todesmutig über die Wippe, die sie zuhause zwar im Schlaf, auf Turnieren aber nur mit sehr viel Skepsis nimmt. |
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Inzwischen haben die Beiden das erste FN-Freizeitreiterturnier hinter sich, auf dem Faya mal wieder die Nervenstärke eines Arabers unter Beweis stellte. Wir ritten eine Kostümpaarklasse zu dem Song „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer“ und hatten dazu die Pferde in eine Plastikplane gehüllt, zudem ritten wir mit Schirm. Auf dem Abreiteplatz sorgte dies für die eine oder andere Irritation, allerdings nicht bei meinem Araber. In unserem Stall trainieren wir solche Schrecksituationen. Faya ist meist diejenige, die den anderen Pferden zeigt, dass es nicht schlimm ist, von Fahnen umwedelt oder in Plastik gehüllt zu werden. Nur auf Turnieren habe ich es noch nicht geschafft, sie durch einen Trail zu bringen, denn Brücken sind in Prüfungen plötzlich sehr gefährlich, davon ist Faya überzeugt. Auf dem Freizeitreiterturnier im letzten Jahr haben wir es deshalb mal mit einem geführten Trail probiert und siehe da Faya ist bis ans Ende gekommen, obwohl es Brücke, Wippe, Autoreifen und Plane in der Prüfung gab. Mit 16 auf zu neuen Horizonten Ich könnte noch viele weitere Geschichten von Faya erzählen, doch bei einer weiteren belasse ich es: Derzeit zeigt Faya mir wieder wie Reiten geht. Sie ist inzwischen 16 und hat das ein oder andere „Zipperlein“: Sie ist nicht sonderlich vorteilhaft gebaut, hat inzwischen einen deutlichen Senkrücken. Ihre Beine sind außerdem nicht ganz korrekt, es macht Arthrose bemerkbar. Eigentlich wollte ich sie nach diesem Winter in Rente schicken, denn sie tickte recht heftig. Durch Zufall wechselte ich den Trainer, eigentlich für meinen Paint „Blue“. |
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 | Freizeitreitertreffen in Altlünen 07 Kostümpaarklasse: Im Regensommer 2007 war der Song „Wann wird's mal wieder richtig Sommer“ unsere Begleitmusik in der Kostümklasse. |
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Dieser hatte sich aber vertreten und fiel einige Zeit aus. Darum fingen wir mit Faya an zu arbeiten. Binnen sechs Wochen mauserte sich mein lahmendes hässliches Entlein zu einem Schwan. Es war ganz offensichtlich, dass nicht die Arthrose Ursache für die Lahmheit war, sondern meine Hand. Denn ich hatte offenbar vergessen, dass Araber zwar auch in einer Pleasure laufen können, aber Pferde an sich und Araber ganz besonders, eben nicht ausschließlich für „Slowmotion“ gemacht sind. Bei dem Versuch, sie langsam zu reiten, hatte ich vergessen, dass die Hinterhand trotzdem Last aufnehmen muss. Statt zu treiben und ihr im Pleasure-Jog den Schwung zu erhalten, habe ich nur über die Hand versucht sie langsam zu bekommen. Nach einigen Zweifeln und so manch schlafloser Nacht nach den Trainingseinheiten (ich konnte nicht fassen, das mir so etwas passiert ist), hat Faya mir gezeigt wie wichtig doch richtiges Reiten und konstantes Training sind. Faya und mein neuer Trainer haben mich gründlich zurück auf den Boden der Tatsachen geholt! Inzwischen hat Faya auch von meinem neuen Trainer ein dickes Lob bekommen: „Im Grunde muss man vor dem Pferd den Hut ziehen, denn dass sie die Anforderungen in dem Alter und mit den Voraussetzungen so umsetzt ist, doch erstaunlich.“ Ich ziehe vor Faya meinen Hut und sage Dankeschön für die Geduld und das Verzeihen, für die Beständigkeit mit der sie mir zeigt, was richtig und was falsch ist. Faya du bist einfach genial!
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