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31.10.2008
Der Traum vom ersten Pferd
Endlich war es soweit, ich sollte mein erstes Pferd bekommen. Mit 15 Jahren ist das ein großer Schritt, doch konnte ich es kaum erwarten.
Also machte ich mich auf die Suche nach meinem Traumpferd, die Rasse war mir erst einmal egal. Schließlich fand ich zwei, die mir sehr gut gefielen. Doch nach dem Probereiten stellte sich heraus, dass keines der Pferde zu mir passte. Nach weiteren Wochen des Suchens fand ich einfach nichts Passendes. Darum gab ich eine Anzeige im Internet auf, dass ich ein westerngerittenes Freizeitpferd suche.
Viele Leute haben sich darauf gemeldet, aber keines der Pferde wollte ich mir ansehen, da ich von Anfang an von keinem überzeugt war. Schließlich bekam ich eine SMS, in welcher mir eine Frau ihre Araberstute anbot. Anfangs war ich skeptisch, ich war schon immer ein großer Araberfan, traute mir das aber nicht zu. Ich hatte Angst, ein Araber wäre zu temperamentvoll.
Trotzdem wollte ich mehr wissen und rief die Dame an. Der Name der Stute ist Shaheen, ein Fliegenschimmel. Die Stute war nach Aussagen der Besitzerin 15 Jahre alt, sehr menschenbezogen, allerdings ein Jahr lang nicht geritten oder sonst wie gearbeitet worden. Ich musste das Ganze erst einmal überdenken, konnte ich mir das zutrauen? War ich geduldig genug erst Muskulatur aufzubauen und der Stute Zeit zu geben?
Zunächst ließ ich mir Fotos schicken. Leider sah die Stute auf den Fotos nicht sehr ansprechend aus. Sie war schlecht ernährt und hatte keine Muskulatur, außerdem sah sie nicht sehr glücklich aus. Viele Bekannte bat ich um Rat und alle, die die Fotos sahen, rieten mir von der Stute ab.
Ich entschied mich dennoch eines Abends, auf mein Herz zu hören und die Stute an dem darauf folgenden Tag zu besuchen. Als meine Familie und ich Shaheen auf der Koppel sahen, dachte ich sie würde sich am liebsten in Luft auflösen. Sie war mir gegenüber skeptisch. Nachdem ich sie geputzt und gesattelt hatte, stieg ich auf. Shaheen lief einfach los und ließ sich nicht bremsen, da sie bei der kleinsten Zügelannahme wie wild mit dem Kopf schlug. Die Besitzerin sagte mir gleich, dass die Stute hoch sensibel im Maul wäre und mit dem Kopf schlage. Ich legte die Schenkel leicht an und Shaheen begann zu gehen. Leider konnten wir nur ausreiten, da kein Reitplatz vorhanden war. Ich war erfreut, dass sie so brav war, allerdings war es nicht sehr einfach, sie anzuhalten oder durchzuparieren. Schließlich verabschiedete ich mich, doch ich konnte mich kaum losreisen. Ich überlegte lange hin und her, ich wollte ihr unbedingt eine Chance geben, wusste aber, dass es nicht einfach werden würde. Wir entschieden uns nach einigen Tagen schließlich für einen Kauf mit Probezeit von zwei Wochen.
Nach zwei Tagen Eingewöhnung in unserem Stall kam der Tierarzt zur Ankaufsuntersuchung. Ich war nervös und hatte Angst, es würde etwas Schlimmes herauskommen. Doch bis auf ein paar Kleinigkeiten war in der ersten Hälfte der AKU alles in Ordnung, da war ich erleichtert. Dann kam die Beugeprobe und es sah gar nicht gut aus. Der Tierarzt war sicher, da stimme etwas nicht. Schwer enttäuscht brachen wir die AKU ab. Ich musste erst einmal überlegen was ich machen wollte. Sollte ich Shaheen trotzdem kaufen? Sollte ich der Sache auf den Grund gehen und Röntgenbilder machen lassen?
Schließlich entschied ich mich Shaheen, röntgen zu lassen und erst dann zu entscheiden, ob ich sie behalten würde. Als erstes waren die Sprunggelenke dran. Es sah sehr gut aus, doch dann wurde ich skeptisch. Wieso war dann an die Beugeprobe so schlecht? Schließlich wurden die Fesselgelenke geröntgt. Und da war dann auch die Ursache: Die Stute hat in beiden Fesselgelenken eine Knochenabsplitterung. Der Tierarzt meinte, es wäre meine Entscheidung, es könne so gut bleiben, wie es war, aber es könne auch schlimmer werden und dann müsste man sie einschläfern. Das traf mich hart. Tagelang überlegte die ganze Familie hin und her. Der Tierarzt kam und machte die AKU fertig, auch am Blut und den restlichen Werten war nichts auszusetzen. Doch jetzt war eine Entscheidung fällig. Nach ein paar Telefonaten mit der Besitzerin einigten wir uns auf einen anderen Preis und die Entscheidung stand fest. Shaheen würde mein erstes Pferd werden, ich würde sie aufpäppeln und pflegen und sie würde wieder glücklich sein.
Anfangs musste sie erst einmal Kraft auftanken. Shaheen bekam viel zu fressen, und als sie mit den anderen Stuten auf der Koppel war, ging es ihr wieder richtig gut. Wir machten nur kleine Spaziergänge, das genießt sie immer sehr. Um Muskeln aufzubauen, begann ich mit dem Longieren, doch das kannte und mochte sie nicht. Schließlich setzte ich mich doch durch, blieb konsequent, nun klappt das Longieren schon sehr gut. Durch Gamaschen werden ihre Beine geschont und gestützt. Langsam können wir mit dem Reiten beginnen, und ich hoffe, wir bekommen das Problem mit dem Kopfschlagen auch noch in den Griff. Bei Shaheen braucht man einfach Geduld.
Franziska Wagner
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